Anmerkungen zum Programm

 

Der Frühling hält Einzug, und das informelle Familientreffen der spirituellen Szene Berlins steht vor der Tür. Am letzten April-Wochen­ende wird das "9. Festival des spirituellen Films Berlin" stattfinden, wieder im City Kino Wed­ding [U6 Rehberge]. Veranstaltet wird es – wie schon im letzten Jahr – gemeinsam vom Centre Français de Berlin und von Nirwana Events, der Berliner Agentur für spirituelle Veranstaltungen, die schon das spirituelle "Kino & Café am Ufer" betrieben hat. Unterstützt wird das Festival in diesem Jahr von den beiden Verlagen mit dem breitesten Angebot an spirituellen Bü­chern, von J.Kamphausen (Bielefeld) und von Suhr­kamp (früher Frankfurt, heute Berlin) – und von der Zeitschrift SEIN, dem Leitmedium der spirituellen Szene Berlins, der wir für die treue Begleitung über all' die Jahre von Herzen danken.

 

Wie immer stehen pro Tag drei Filme auf dem Programm. Nach den Darbietungen gibt es genug Zeit für Ge­spräche mit kompetenten Gästen und unter­einander – sei es im Kino oder in unserem hellen Foyer mit ausgesuchten Stän­den und vegetarischen Köstlichkeiten, sei es um die Ecke im weitläufigen und erstaun­lich stillen Volks­park Rehberge.

 

Im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals steht ECKHART TOLLE, der seit seinem Weltbest­seller "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart" zum ungekrönten König der spirituellen Szene avanciert ist. 2015, zu seinen letzten drei Live-Auftritten im deutschen Sprach­­raum, kamen knapp 8.500 Besucher*innen. Völlig zu Recht. Denn keine*r unter den der­­zeit aktiven Weisheitslehrer*innen des Westens bringt den Kern­bestand so gut wie aller spi­rituellen Wege so klar, so präzise, so heiter und dazu auch noch so witzig auf den Punkt wie er. Deshalb haben wir auch gleich zwei neue Tolle-Filme ins Programm genommen: Wirkliche Verände­rung beginnt in Dir und Bewusstsein wächst durch Herausforderungen.

 

Spirituelle Lehrer*innen lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: die, die zu uns kommen, und die, zu denen wir kommen müssen. Es gibt Wanderprediger wie Eckart Tolle, die kurz auftauchen, nur um gleich wieder zu ver­schwinden, über deren Privatleben wir so gut wie nichts erfahren. Und es gibt die Ortsfesten, die es sich irgendwo eingerichtet haben und ihre Schüler*innen einladen, ihr Le­ben mit ihnen zu teilen, oft wochen-, monatelang.

 

Die einen wirken durch's Außerordentliche, durch die Brillanz ihrer Sätze, den überwältigenden Charme ihrer Gesten. Die anderen wir­ken eher durch's Ge­wöhn­liche, Alltägliche, indem sie auch profane Verrichtungen, auch beiläufige Bemerkungen mit ihrer unbedingten, manchmal auch gnadenlosen Klarsicht und Präsenz aufladen.

 

Zu denen gehörte die im Frühjahr 2015 ver­storbene Ruth Denison, die Grande Dame der Vipassana-Meditation in den USA, die am Rande der kalifornischen Mojave-Wüste ein kleines Meditationszentrum betrieb. Alek­sandra Kumorek hatte das Glück, den ersten und nun leider auch letzten Film über sie und ihren Platz, 'ihre' Wüste drehen zu können: Ruth Denison: Der lautlose Tanz des Le­bens. Wir zeigen ihn am Samstagabend in "Deutscher Erstaufführung" und freuen uns auf das an­schlie­ßende Gespräch mit der Filmemacherin und ihrer Cutterin Bettina Blickwede.

 

Es geht hoch hinauf bei unserem Festival: Kommen Rühr­ge­räte in den Himmel? fragt schon der Eröffnungsfilm. Für uns ist dieser zuckersüße Film-Essay von Rein­hard Günzler die Überraschung des dies­­jäh­rigen Festivals.  Denn erstens wurde er in Suhl / Thüringen produziert, woher man als Berliner*in allen­falls Bernd Höckes Nazi-Rhetorik, aber ganz gewiss keinen spi­ri­tuellen Film erwartet. Und zweitens ist er nicht nur so leichtfüßig und witzig, wie es sein Titel verspricht, er hat es auch faustdick hinter den Oh­ren.

 

Er wirft nämlich die Frage auf, ob nicht auch die 'toten' Dinge, die Gerätschaf­ten um uns herum dasselbe Recht haben, das wir inzwi­schen auch Tieren und Pflan­zen zuerkennen: das Recht, ihr Leben in Würde zu Ende zu leben – statt beim kleinsten Defekt auf den Müll geworfen zu werden. Haben vielleicht auch Dinge eine Seele? Eine Antwort aus dem Film: Ja, haben sie – aber die zeigt sich nur, wenn nicht nur wir etwas mit ihnen machen, sondern wenn wir den Dingen erlauben, auch etwas mit uns zu machen.

 

Usch Schmitz & Kraft Wetzel
Nirwana Events, Berlin-Wedding